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Warum Herr Herrmann nicht von Bord geht – WAZ Aktikel vom 25.10.2019

Am Samstag halten die Piraten ihren Parteitag in Herne ab. Sie dümpeln im Umfragetief. Trotzdem engagieren sich noch Menschen für sie. Warum nur?

Das war eine Party im Kulturzentrum Zakk in der Landeshauptstadt. Eine jubelnde, ausgelassene Menge mit Luftballons, der eine oder andere im Kostüm. Mittendrin: Frank Herrmann, seit gerade einmal drei Jahren ein Pirat und schon im Landtag. 7,8 Prozent. Ein Sensationserfolg. Im Mai 2012 war das. Bei der Landtagswahl 2017 dann der Komplettabsturz. Heute taucht die Piratenpartei nur noch unter den Sonstigen auf. Herrmann will sich beim Parteitag am Samstag in Herne als Landesvorsitzender bestätigen lassen.

Warum nur?

Die Elisabethstraße in Düsseldorf, eine schicke Lounge im vierten Stock eines Bürogebäudes. Herrmann hat seine graue Jacke mit dem orangenen Piraten-Button auf dem Revers ausgezogen und sitzt entspannt an die Kissen gelehnt auf einer Bank. Schwarzer Pulli, schwarze Hose, grauer Fünf-Tage-Bart. Er erzählt von 2009, als er sich entschloss, in die Piratenpartei einzutreten. „Ich hatte mich damals gegen die Vorratsdatenspeicherung engagiert.“

Partei traf den Nerv der Generation Internet

Freiheit sei für ihn immer wichtig gewesen. Die totale Kontrolle über Menschen, über ihre Kommunikation? Eine Horrorvorstellung für ihn, bis heute. Mit dem „Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung“ war er damals immer wieder bei Parteien und erklärte die Vorbehalte der Aktivisten. „Die haben aber nur zugehört, nichts getan.“

Also die Piratenpartei, die einzige, die das Thema Digitalisierung zu ihrem zentralen machte. Die 2006 gegründete Partei traf den Nerv der Generation Internet, sie versprach eine Politik neuen Stils, jung, unverbraucht, rebellisch, transparent. Mit ihrer Kampagne gegen die von der damaligen Familienministern Ursula von der Leyen geplanten Internetsperren mobilisierte sie die jungen Leute und schien sogar das Potenzial zu haben, den Grünen den Rang ablaufen zu können.

Dafür sitzt jetzt die AfD im Landtag. „Hass verbreiten und schlecht über andere reden, ist viel einfacher, als unsere Themen zu kommunizieren“, sagt Herrmann. Dabei, betont er, ist das Thema Digitalisierung wichtiger denn je. Die unkontrollierbare Macht und Datensammelwut der Tech-Konzerne, die „unfähigen Regierungen“, die keine Grenzen ziehen. „Die Gewinne und Möglichkeiten, die die Digitalisierung mit sich bringt, kommen nur wenigen zugute. Digitale Gewinne müssen vergesellschaftet werden“, fordert der 58-Jährige.

Mut macht ihm, sagt er, dass die Arbeit im Landtag Früchte getragen hat. Die FDP habe kürzlich ein ganzes Paket an Anträgen zur Digitalisierung im Bundestag eingebracht. „Ich habe gedacht, das kennst du doch. Das war unsere Arbeit aus den Landtagen.“ Und zwei Piraten säßen jetzt in NRW-Ministerien und berieten zu Wirtschaft und Bildung. „Ideen sind manchmal wichtiger als politische Erfolge.“ Für ihn persönlich hat die Arbeit in der Partei berufliche Weichen gestellt. Vor den Piraten hatte Herrmann eine Filmproduktionsfirma, heute berät er Firmen zum Datenschutz.

„Ich habe den Anspruch, hier mehr zu machen.“ Deswegen will er am Samstag in Herne beim Parteitag kandidieren. Und deswegen, weil sich Menschen für die politischen Inhalte der Partei interessierten, wenn er sich als Pirat oute.

Seit dem Höhepunkt im Dezember 2012, damals gab es 6325 eingeschriebene Piraten in NRW, sanken die Mitgliederzahlen kontinuierlich. Der Tiefpunkt: 2656 Mitglieder im Dezember 2018. Seit einigen Monaten nimmt die Zahl aber wieder leicht zu, im August verzeichnete die Partei immerhin 2795 Mitglieder. Vermutlich, glaubt Herrmann, wegen der Debatte um das Urheberrecht. „Wir sind noch nicht am Ende. Wir haben eine Perspektive.“

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